Linde Burkhardt Texte

In Due: Accaio + Ceramica
(Auszug)

2001

Ettore Sottsass

Ich habe immer gedacht, dass es interessant sein müsste, verschiedene Materialien zu verbinden: Dadurch entsteht eine gewisse Energie – so wie in der Batterie von Volta. […] Alle Materialien haben Bedeutungen, unterschiedliche Bedeutungen, manchmal unklar, manchmal deutlicher: Bedeutungen, die ablehnend oder zustimmend sind, die sich auf Nostalgien oder Hoffnungen beziehen, die aus Bildung oder Unwissenheit entstehen, aus dem Bedürfnis zu beschützen oder die Lust auf Aggression.

Wir bringen eigentlich immer verschiedene Materialien zusammen: meist aus praktischen Gründen, manchmal jedoch weil wir wissen, dass wir eine Art „Erzählung“ entwerfen wollen, und deshalb geben wir den Materialien Bedeutungen, die mehr oder weniger präzise, oft ...
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Linde Burkhardt: „IN DUE“ Stahl + Keramik

2001, in „ABITARE“

Alessandro Mendini

„Materialien miteinander zu verbinden ist so, wie wenn man Klangfarben miteinander verknüpft.Es ist so, wie wenn man Geschmacksempfindungen miteinander kombiniert.“
Ettore Sottsass

Es ist nicht einfach, ein Projekt des keramischen Handwerks so anzulegen, dass eine Methodologie erkennbar wird, die die Erscheinungsform der Objekte so angeht, dass die Grenzen der elementaren, plastisch formenden Gesten des „Handgemachten“ überwunden werden . Und umgekehrt, wenn man eine solche Methologie gefunden hat, ist es schwierig die implizit vorhandene Kälte zu überwinden,die diese Entwurfsmethode mit sich bringt.

In der erstaunlichen Reihe von Vasen, die sie vor kurzem geschaffen hat, ist Linde Burkhardt die Überwindung dieses Widerspruchs auf ...
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„Invenzionie decorative“

Rom/Ciampino 2006

Alessandro Mendini
Katalog zur Ausstellung

[…] Die Neigung von Linde Burkhardt zum Dekor ist ein Phänomen von großem Interesse. Das zeigt auch diese Serie von großen Tellern, die sie selbst ausgeführt hat, wobei die Keramik als Basis dient. […] Die Farben, Techniken und die Brennvorgänge sind ihr vertraut und haben die Virtuosität der Dekore und Zeichen begünstigt, die sich mit einer wirklich bewundernswerten Gewandtheit auf den runden Oberflächen entfalten.

Es treten hier Lindes typische Zeichen in Erscheinung: lange und gerade Linien, Kratzer, Wellen, Punkte, kleine Kreise, fließende Bänder, gebogene Linien, abstrakte Zeichen der verschiedensten Art. Sie erzeugen Farben und Situationen, die bemerkenswert figurative Suggestionen hervorrufen. Da ist nichts ...
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Über Linde Burkhardts Keramiken

2008

Florian Hufnagl

Dass die Welt reich ist an Schönheit, Kraft und Plastizität, dass sie aber auch sublim, nuancen- und facettenreich und im Detail mit der größten Raffinesse wiederum auf das große Ganze abgestimmt ist – dies kann Teil einer euphorischen Beschreibung eines frohgestimmten Betrachters sein. Nie jedoch hätte ich gedacht, mit diesen Worten je den Versuch zu unternehmen, eine Keramik zu beschreiben. Aber das ist es ja auch nicht. Es geht nicht um eine einzelne Arbeit oder eine Werkgruppe – vielmehr versuche ich mit diesen Worten den ganzen Kosmos der gestalterischen Möglichkeiten zu fassen, den Linde Burkhardt dem Betrachter bei ihren Arbeiten aus Ton vor Augen führt. Ein sinnlicher, ganzheitlicher Ansatz, der in unserer artifiziellen und auf ...
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2009

Franco Bertoni

Dieser Text liegt leider nur in Italienisch ...
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Linde Burkhardt ceramista

Enrico Crispolti

Dieser Text liegt leider nur in Italienisch ...
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Über Malerei, Zeichnung und Handschrift hin zu Teppichentwürfen

Linde Burkhardt über ihre Arbeit

Meine Ausdrucksmittel waren nach dem Studium Malerei, Zeichnung und raumgreifende Environments. Seit 1986 kamen Entwürfe für die serielle Produktion von Teppichen für die Firma Toulemonde-Bochart in Paris und Teppichböden für Vorwerk dazu.

Die ersten Teppichentwürfe gingen aus von früheren Zeichnungen, in denen meine Schrift eine große Rolle spielt und auch vom malerischen Interesse an Farbe. Die Herkunft aus Zeichnung, Schrift und Malerei ist deutlich erkennbar. Es ist deshalb kein Zufall, dass die ersten Teppiche aus Paris und auch die später in Mailand für Driade realisierten Teppiche gut als Wandbehänge funktionieren. Die frühen Teppiche aus Paris wurden in Belgien auf dem Jacquard-Webstuhl seriell hergestellt. ...
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Linde Burkhardt über die Arbeit mit Vinzento Oste

2009

Vincenzo Oste, der Silberschmied aus Neapel, hat mir das überraschende Angebot gemacht mit ihm, sozusagen vierhändig, eine Schmuckkollektion zu realisieren. Zunächst habe ich gezeichnet, was ich mir vorstellte, aber dann hat mir Vincenzo mit viel Geduld gezeigt, wie man mit weichem Wachs arbeiten kann. Bald nahm mich diese Art des Gestaltens völlig gefangen, denn der große Vorteil gegenüber der Zeichnung besteht darin, dass das Objekt sofort in seiner Dreidimensionalität sichtbar wird.

So sind etwa hundert Prototypen in Wachs entstanden und Vincenzo hatte die Qual der Wahl. Er hat dann alle Schmuckstücke so realisiert, dass man sie tragen kann und eine schöne Ausstellung in seiner Galerie eingerichtet. Damit ist unsere ...
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Percursos

2012

Wie sich mir Portugal langsam erschlossen hat und wie ich in PERCURSOS versuche, dieses faszinierende Land auf meine Weise sichtbar zu machen.

Die Keramik-Objekte „Percursos“ im Bereich Keramik durchstöbern. Im März 2012 wurden sie in einer Ausstellung gezeigt, im September 2012 sind sie noch einmal in Lissabon zu sehen.

Portugal kannte ich lange nur schemenhaft aus Geschichtsbüchern: Aufbau des portugiesischen Kolonialreichs, die Seemacht, der Eroberer Heinrich der Seefahrer und Vasco da Gama, der den Seeweg nach Indien entdeckte, die älteste Universität, Coimbra, Lissabon, ...
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Alvaro Siza zur Eröffnung der Ausstellung PERCURSOS von Linde Burkhardt in Matosinhos, am 18.02.2012

2012

„Es war ein glückliches Projekt, es ist gut gegangen.

Linde hat gesagt, dass sie nichts erfunden habe, aber in Wirklichkeit hat sie etwas erfunden. Was ich hier sehe, sind Objekte wie ich sie nie gesehen habe. Sie sind wie Personen oder sehr besondere menschliche Wesen. Zu Beginn erscheinen sie seltsam, aber wenn man sie länger betrachtet scheinen Sie zur Familie zu gehören.

Linde glaubt nichts erfunden zu haben, weil sie in Wirklichkeit die Fähigkeit hat Neues aus dem zu erfinden was schon existiert. Linde gehörte zu den Menschen die Kunst aus einem Kontinuum heraus erarbeiten. Ihr Werk hat eine Vergangenheit und eine Gegenwart , das ist eine Garantie für die Zukunft.

Diese Art zu arbeiten gefällt mir. Es erscheint mir kein ...
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Burghart Schmidt: Mythenkritik im Freispiel vom Ornamentalen

Juni 2013

Die Künstlerin Linde Burkhardt hat keine Scheu vor dem, was man so angewandte Kunst nennt. Obwohl sie von dem gehört hat, was an Zweifeln zur Anwendbarkeit von Kunst vorgetragen wurde. Am schärfsten hat ja Theodor W. Adorno deklariert, dass es angewandte Kunst nicht gibt; denn in der Anwendung würde Kunst aus dem Gestalten verschwinden durch die Preisgabe ihrer Autonomie. Unter der radikal reine Kunst verfolgenden Perspektive Adornos ist das unbezweifelbar zutreffend.

Doch es passiert ständig geschichtlich wie gegenwärtig ein Übersetzen von gestalterischen Einfällen und Entwicklungen der Künste in das Gestalten unserer alltäglichen Gebrauchs- und Verbrauchswelten, und zwar ist Solches wesentlich für das, was man ...
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Florian Hufnagel: Vorwort Katalog „Die Mitgift der Prinzessin von Trapezunt“

2014

Die keramische Arbeit „Die Mitgift der Prinzessin von Trapezunt“ ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich und kann nur als vielschichtiges und facettenreiches Credo der Künstlerin Linde Burkhardt gelesen werden.

Die Arbeit besteht aus einer Vielzahl von aufeinandergetürmten Einzelelementen, die zu sieben Säulen geordnet sind. Material, Farbe und Bearbeitung lassen sie kostbar erscheinen. Der Phantasie des Betrachters wird Raum gegeben, um mit den Elementen spezifische Formen zu assoziieren, sei es ein Tafelaufsatz oder Sockel, seien es Schalen oder Vasen, Schatzkästchen, Schmuckkassetten oder eine wie auch immer geartete Kostbarkeit. Kurz, es entfaltet sich Reichtum in großer Opulenz und Unterschiedlichkeit. Abstrakter und sinnlicher zugleich kann Mitgift ...
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Alessandro Mendini: „Die Mitgift der Prinzessin von Trapezunt“

2014

Auf ihrem langen künstlerischen Weg hat Linde mit der „Mitgift der Prinzessin von Trapezunt“ den bisher reifsten und tiefsten Ausdruck ihrer Kreativität erreicht. Wir waren vertraut mit dem variablen Spiel der Formen, der Kompositionen, der Zeichnungen, Zeichen und Farben, die schon immer Lindes Arbeiten ausgezeichnet haben. Im Projekt Trapezunt aber erfahren wir einen substanziellen Wandel ihrer Vorgehensweise.

Ihre Motivation ist hier ausdrücklich weniger von der Form als vom Inhalt her bestimmt. Während ihre Kompositionen bislang ganz auf sich selbst bezogen waren, sind die sieben Säulen ihrer jüngsten Arbeit von der Kraft der Legende einer mythischen Geschichte geprägt, leben von den Symbolen und vom Zauber einer reichen Imagination. Die romantische ...
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Bazon Brock: „Die Mitgift der Prinzessin von Trapezunt“ – Pisanello befreit die Gestaltung aus den Klauen des Kunstmonsters.

2014

Zu einem frühen Ausflug nach Verona mit Linde, François, Melusine als Hofstaat der Prinzessin von Trapezunt.

Linde Burkhardt hat Zeit ihres Arbeitslebens einen Grundkonflikt der Moderne aushalten und bewältigen müssen, der aus der Rivalität von künstlerisch- architektonischem Arbeiten einerseits und designerischen Tätigkeiten andererseits entsteht. Die Ausprägung dieses Konfliktes in Deutschland ist durch die Entgegensetzung von Schaffen und Gestalten oder, mit anderen ebenso geläufigen Begriffen, im Gegensatz von schöpferischen Künstlern und anwendungspraktischen Gestaltern bezeichnet worden. Institutionell überhöht, war das der Gegensatz von Hochschulen oder Akademien der freien Künste einerseits und der Schulen für angewandte Kunst andererseits. ...
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Auszug aus der Rede von Bazon Brock anlässlich der Eröffnung am 24.9.2014

2014

Vorab

Immer noch gilt die Arbeit der Designer als eine Art Afterkunst insofern, als sie entweder dem Diktat von Funktionszusammenhängen folgen muß oder andererseits sich den Vorstellungen der Auftraggeber zu unterwerfen hat. Zum Dritten wird der Geltungsanspruch des Design als künstlerisch-gestalterische Arbeit vernachlässigt, weil die Entwürfe in industriell gefertigten Produkten realisiert werden, die als Massenware enden.

Diese drei klassischen Hochmütigkeiten muß man aufgeben, wenn man die Bedeutung akzeptieren will, die dem Design heute tatsächlich zukommt. In unseren Lebensumgebungen gibt es kaum etwas, das nicht aus einem Design-Prozess hervorgegangen wäre. Kein Quadratmeter Stadtraum, Park oder Landschaft, kein ...
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Bazon Brock: Zu neueren Arbeiten von Linde Burkhardt

2014

Experimentelle Archäologie – Der Ausstieg aus dem Bilde

Zu neueren Arbeiten von Linde Burkhardt

Seit den 1970er Jahren erweiterten Archäologen ihre wissenschaftlichen Arbeitsmethoden in ganz erheblicher Weise durch die Entwicklung der „experimentellen Archäologie“. Sie versuchten, aus den Spuren und Elementen der „toten“ historischen Artefakte nicht nur deren materielle Gestalt zu rekonstruieren, sondern Verhaltensweisen und Einstellungen ihrer jeweiligen Nutzer probeweise, gesteuert von Hypothesen der „historischen Imagination“, zu vergegenwärtigen. Diese archäologischen Rekonstruktionen, die im wesentlichen nur Momentaufnahmen der gedachten historischen Situationen darstellten, verlebendigten sie, indem sie sie als in ...
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